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Ökonomien der Zeit
Wird unter Zeitökonomie meist die effiziente Nutzung von Zeit verstanden, zielt »Ökonomien der Zeit« auf eine Vielfalt an Formen, mit Zeit hauszuhalten, und sei es, sie zu verschwenden. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen künstlerische Ansätze, die — in der Reflexion gängiger Wert- und Zeitstrukturen — ihre eigenen Zeitordnungen und Ökonomien entwerfen. Fragen der Bildpolitik und Geschichtsschreibung, die Auseinandersetzung mit scheinbar immer kürzeren Verfallswerten von Produkten und Bildern sind zentrale Gesichtspunkte.
Hintergrund ist die Beobachtung, dass sich unsere Alltagswahrnehmung — trotz des Wissens um die Vielschichtigkeit übergreifender Zusammenhänge — häufig in kurzfristigen Wahrnehmungseinheiten organisiert: Die Aufmerksamkeit richtet sich auf das jeweils Aktuelle, genauer auf das, was uns als solches nahe gelegt wird. Entsprechend gerinnt in medialen Darstellungen der Umgang mit umfassenden Themen häufig zu einzelnen Bildern, die als Beweise oder auch als Statthalter für verzweigtere Zusammenhänge dienen. Zugleich scheint die Möglichkeit, über die eigene Zeit zu bestimmen, statt sie Kosten-Nutzen-Erwägungen unterwerfen zu müssen, zu einem Distinktionsmerkmal innerhalb des vorherrschenden Denk- und Wirtschaftsystems zu werden: Zeit ist nicht nur Geld, wie so oft behauptet, sondern letzteres wird zu einer Voraussetzung, um über die eigene und möglicherweise auch über fremde Zeit zu verfügen.
»Ökonomien der Zeit« begegnet der vermeintlichen Zwangsläufigkeit dieser Logik, indem sie auf ein umfassendes Spektrum unterschiedlicher künstlerischer Ansätze setzt: die Auseinandersetzung mit Vorstellungen des Öffentlichen jenseits eines instrumentellen Denkens; die Reflexion von Prozessen der Wertschöpfung; der Einsatz für nachhaltige Formen der Nutzung natürlicher Ressourcen, die sich in Widerspruch zu den gegenwärtigen geopolitischen Gegebenheiten stellen; die Beschäftigung mit Ordnungssystemen wie Archiven, die eigene Kategorien bilden und verschiedene Nutzungen zulassen; oder die Frage nach narrativen Strukturen, nach Formen der Geschichtserzählung, nach der letztlich unvermeidlichen Verselbstständigung vorhandener Bilder. |
Bildmaterial
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